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»Meine Bilder sind in einem intensiven Prozess erarbeitete Kompositionen. Bei ihrer Durchgestaltung muss der klare Menschenverstand obsiegen,« erklärt der Düsseldorfer Maler Dietrich Rünger und lächelt charmant.
Rüngers Werke entstehen in einem sonnendurchfluteten Loft in Düsseldorf-Flingern, einem grauen Arbeiterviertel in City-Nähe. Der weiß getünchte Raum erinnert eher an ein modernes Büro oder Studio als an ein Maler-Atelier. Zahlreiche groß- und kleinformatigen Collagen, Olbilder und Objekte – stilvoll gerahmt – schmücken die Wände. Leise Jazzmusik von Miles Davis flirrt durch den puristisch ausgestatteten Innenraum mit den großflächigen Fensterpartien.
»Eigentlich habe ich gar keinen festgelegten Stil. Meine Arbeiten sind sozusagen stilfrei«, erläutert der Jazzliebhaber. »Stilfrei?« Ich überlege und betrachte seine Bilder.
Dietrich Rüngers aktuelle Werke – »gemalte Collagen« – werden durch ihre eigenwillige Form- und Farbgestaltung charakterisiert. Der 1939 in Berlin geborene Künstler gehört nicht – wie viele seiner Generation – zu den so genannten »jungen Wilden« mit kräftiger Maispur und heftigen Farben.
Rünger steht eher in der Tradition der Avantgarde der 20-er und 30-er Jahre. Seine Bilder wirken beinahe zart, mitunter »unerhört« poetisch. Es ist die Poesie der Form und der Farbe, das rationale Spiel mit dem Material, das zahlreiche seiner Arbeiten kennzeichnet. Als Werkstoff dienen ihm oftmals alte Zeitungen und Zeitschriften, Glas- und Holzstücke, Reste von Schachteln sowie Plakatfetzen und viele Fundstücke aller Art. Rünger: »Auf der Suche nach Verwertbarem gehe ich deshalb oft mit nach unten gerichtetem Blick durch die Stadt.« Was wie zufällig zusammengestellt aussieht, ist in Wirklichkeit das Resultat eines intensiven und kritischen Prozesses, an dessen Ende wie selbstverständlich eine wohldurchdachte und kompositorisch abgeschlossene Arbeit steht. Rüngers vielfältige Bildsprache wird bestimmt durch geometrische Figuren, deren Strenge oft durch Verknüpfungen aufgehoben wird. Die Farbgebung des Künstlers, der jahrelang in Düsseldorf eine eigene renommierte Werbeagentur leitete, erinnert an die 50er Jahre. Gedeckte Töne herrschen vor: Das Grün ist ebenso wie das Braun und das Blau meist matt, ganz selten wird es mal grell, zum Beispiel giftgrün. Die Farbzusammenstellung ist ausgewogen und stimmig. Aggressive Töne werden nur als Akzent eingesetzt. Beeinflusst ist Rünger, so bekennt er, durch Kurt Schwitters, dem bekanntesten Vertreter der Collagen-Technik, und durch die Begegnung mit der italienischen Freskomalerei, die sich besonders in seinen früheren Ölbildern niederschlagt. Aber auch coole Jazzmusik, die sein Arbeiten untermalt, inspiriert ihn bei der Entstehung seiner großformatigen Collagen-Bilder.
Rünger ist ein kühler Bildregisseur, der seine geometrischen Formen und phantasievollen Figuren zu eigenwilligen Kompositionen arrangiert. Aber wie komme ich nur auf kühl? Flirtet das Dreieck nicht gerade mit dem Draht?
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